Eine neue Kreativ-Komplizin und Macherin fĂŒrs Loopings Team 💛

Von Bernadette Höller, 08. Februar 2023

Mit Andrea Keller begrĂŒssen wir eine Kreativ-Komplizin und vielseitige Macherin bei Loopings, die sich gern da einbringt, wo etwas in Bewegung ist, spannende Geschichten erzĂ€hlt und Fragen gelebt werden. Neben ihrem Engagement bei uns ist sie mit Text-, Kultur- und Bildungsprojekten sowie als Schreibcoach unterwegs. Bernadette hat mit Andrea gesprochen.

Andrea, wir freuen uns sehr, dich seit Anfang des Jahres auf unserer Loopings Reise an Bord zu haben. Also, ganz offiziell und öffentlich: Herzlich Willkommen! Was hat dich eigentlich ĂŒberzeugt, einzusteigen? Also, welche Loopings-Themen und Wirkungsziele findest du besonders interessant oder wichtig?

Vorweg: Vielen Dank fĂŒr das herzliche Willkommen, die offene TĂŒr. Es ist eine Freude, diesen Schritt zu machen und bei euch einzusteigen. Was mich dazu bewegt hat? Da wĂ€ren das Thema und die Mission an sich. «Loopings unterstĂŒtzt Menschen ab der Lebensmitte dabei, ihre berufliche Zukunft selbstbestimmt und kreativ zu gestalten.» – Allein schon in diesem Satz finde ich mehrere Wörter, die mich positiv «anzupfen»: Da stecken mit «Loopings» Dynamik und Bewegung mit drin, auch Tempo und Bauchkribbeln. Zudem treffe ich auf Menschen, das Leben, die zweite LebenshĂ€lfte und Gestaltung. Mir begegnen die Worte Zukunft, Selbstbestimmung und KreativitĂ€t.

Auch weitere Loopings-Zutaten wie Dialog und Vernetzung finde ich bedeutsam – und die WĂŒrdigung von Vielfalt, die Bereitschaft, Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Das alles macht irrsinnig viel Sinn. FĂŒr «Loopings» als Arbeitgeber spricht auch noch anderes: Hier ist es mir möglich, im Teilzeitpensum und neben meiner SelbstĂ€ndigkeit, einer spannenden TĂ€tigkeit nachzugehen; mit Freiraum, vorbildlichen Arbeitsbedingungen sowie -Tools, die mich fit halten. In meiner aktuellen Lebens- und Arbeitssituation kommt es mir auch sehr entgegen, dass ich zwar einen attraktiven Desk in ZĂŒrich zur VerfĂŒgung habe, da aber nicht angezurrt bin, vieles «remote» machen kann, flexibel bin.

Wir hatten 2018 das erste Mal Kontakt, als du noch beim Museum Schaffen in Winterthur gearbeitet hast.

Das ist wahr, unser erster Kontakt liegt schon lĂ€nger zurĂŒck. Von 2017 bis 2020 durfte ich als Stv. Leiterin ein modernes historisches Museum in Winterthur mitaufbauen, das sich dem Thema Arbeit verschrieben hat bzw. den Menschen als Schaffenden in den Mittelpunkt stellt, und zwar in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Damals hatte ich also – was spannende Personen und Initiativen rund um das Thema Arbeit angeht – die Nase im Wind. Irgendwann hat eine Bekannte die Neustarter-Stiftung erwĂ€hnt. Da habe ich die FĂ€hrte aufgenommen, mich bei dir gemeldet. Bereits unsere erste Begegnung war sehr erfreulich, und der Austausch hat lange vor meinem Start hier FrĂŒchte getragen. Ihr habt dann nĂ€mlich mit einer Gruppe von beruflichen Neustarter:innen unsere Ausstellung in Winterthur besucht. Etwas spĂ€ter warst du bei einem PodiumsgesprĂ€ch bei mir zu Gast.

Ich erinnere mich gut: Das war ein angeregter Abend im Zeichen des beruflichen und privaten Neubeginns, mit dem Autor Thomas Meyer und dem Coach Mathias Morgenthaler.

Genau. Zusammen mit Mathias Morgenthaler (Beruf + Berufung) konnte ich zudem eine Schreibwerkstatt in Kooperation mit euch durchfĂŒhren. So verbindet und verknĂŒpft sich alles. Ich finde es wertvoll, diesen Weg zu Loopings hier aufzurollen, weil das Beispiel doch wunderbar zeigt: Es kann sich lohnen, bei spannenden Personen und Initiativen bzw. Organisationen anzuklopfen, neugierig und offen zu sein, sich zu vernetzen – auch ohne schon von Beginn weg zu wissen, was daraus entstehen soll. Das rĂ€t ĂŒbrigens auch Morgenthaler: Menschen, Organisationen und Orte zu besuchen, die inspirieren. Denn oft sind es gerade solche Begegnungen und Erkundungen, die uns weiterbringen auf unserem Weg.

Seit unserer ersten Begegnung hat sich viel bewegt. Wie hat sich deine Sicht auf das Thema Arbeit und die Arbeitswelt in den letzten Jahren verÀndert?

Uh, es ist wirklich einiges passiert. Das kann man laut sagen. Allem voran: die Pandemie. Als im MĂ€rz 2020 der Corona-Lockdown in Kraft trat, war ich noch beim Museum engagiert. Es war eine herausfordernde Zeit, auf verschiedenen Ebenen. Wir konnten als Team aber die Chance packen, das Erlebte sogleich aufzugreifen und zu verarbeiten: in «System Reset», einer interaktiven Installation. Dabei haben wir Arbeitswelt-Trouvaillen aus der Corona-Anfangszeit gesammelt: von der Frage, wer Sorgearbeit leistet, bis zu schmutzigen Tricks fĂŒrs Homeoffice. Erweitert haben wir das Ganze mit vergangenen Wendezeiten, also historischen Schlaglichtern. Und wir haben versucht, WĂŒnsche wachzukitzeln, den Weg vom Wissen zum Wollen und vom Wollen zum Wirken schmackhaft zu machen. Zentrale Fragen dabei: Was wĂ€re denn eine wĂŒnschenswerte Arbeitswelt? Und welche Tools braucht es? Gar nicht so einfach. Denn gerade daran fehlt’s: an Wunschbildern mit Anziehungskraft, an Utopien. Oft ist nur anskizziert, was bedrohlich ist, bedrĂŒckend, wir nicht mehr wollen.

Ihr habt damals also die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt, um aus der Krise heraus Utopien zu spinnen?

Das haben wir versucht. Jede Krise legt Bruchstellen offen, verunsichert, kann ĂŒberfordern. Sie birgt aber auch Chancen. So platt und abgewetzt das klingen mag; nach meiner Erfahrung stimmt’s. Und ich beobachte bei mir sowie bei anderen Menschen in meinem Umfeld, dass die Kompromissbereitschaft abgenommen hat, die Risikobereitschaft gestiegen ist. Man kĂŒndigt auch mal seinen Job, ohne genau zu wissen, wie es weitergeht. Die Illusion von «Sicherheit» ist sowieso ramponiert. Der Wunsch nach Sinnhaftigkeit, einem stimmigen «Wir», nach geteilten und gelebten Werten ist noch grösser geworden. Und manche mĂŒssen sich auch einfach von zu intensiven Zeiten erholen. Entsprechend verwundert es mich gar nicht, dass Sara Webers Buch «Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?» aktuell eine enorme Resonanz erfĂ€hrt. Denn Hand aufs Herz: Es drĂŒckt einiges. Im Innen. Im Aussen. Und wir mĂŒssen uns – wie Weber auch fordert – wirklich ĂŒberlegen, wie Arbeit heute und morgen funktionieren kann. Mit einem Fokus auf Gerechtigkeit, ZukunftsfĂ€higkeit, den Menschen, auf die Natur.

Und nochmals heruntergebrochen auf dich und deine eigene Arbeitswelt: Was ist dir wichtig, wenn du daran denkst?

Was mir da interessanterweise als erstes einfĂ€llt, ganz spontan? Humor! FĂŒr eine Arbeitswelt, in der es nichts zu lachen gibt, nie, ist das Leben definitiv zu kurz. Wichtig ist mir auch, dass ich einen Sinn bei meinem Tun sehe, ich das GefĂŒhl habe, einen Unterschied machen zu können, einen Impact zu haben. Und ich lege viel Wert auf Fairness, WertschĂ€tzung, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, eine konstruktive Feedback- sowie eine positive Fehlerkultur. Offenheit und die Bereitschaft, dazuzulernen, von allen Seiten. Keine Machtspielchen, keine toxischen Menschen und Machenschaften. Experimentierfreude. Mut. KreativitĂ€t. Freude am eigenen Wachstum, Mitfreude am Wachstum der anderen. Und ich fĂŒhle mich in einer Arbeitswelt wohl, in der Fragen gelebt werden. Da, wo’s schon zu viele Antworten gibt, nur Antworten, Antworten, Antworten, ist was faul. Da wird – mit grosser Wahrscheinlichkeit – ein totes Pferd geritten. Zudem war meine ideale Arbeitswelt schon immer auch ein Mosaik. Ich schĂ€tze es, verschiedenen Interessen und FĂ€higkeiten von mir Raum schenken zu können. SelbstĂ€ndig bin ich als Autorin, Coach und SchreibpĂ€dagogin sowie als Kulturschaffende.

Das sind gleich mehrere Berufsbezeichnungen und -felder. Wie schaffst du es denn, die BĂ€lle in der Luft zu halten und zwischen den Themen umzuschalten?

Das ist eine legitime Frage. Und ich glaube, ich habe einen Trick herausgefunden, der im ersten Moment paradox klingen mag, weil’s im Grunde noch ein Ball mehr ist: Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr vermehrt draussen in der Natur und mit meinem pensionierten Vater in dessen Werkstatt zu arbeiten. Also mit dem SchleifgerĂ€t, mit dem Bohrer, mit der Hacke, mit den HĂ€nden. Das Experiment hat eben erst begonnen, aber ich merke schon jetzt: Es bringt Ruhe ins System. FĂŒr mich grenzt das fast schon an Meditation. Und wie sagt man so schön? «Meditiere jeden Tag 20 Minuten. Ausser wenn du zu beschĂ€ftigt bist. Dann meditiere eine Stunde.»

Was mir sicher auch hilft, beim Jonglieren: Ich arbeite wahnsinnig gern. Und ich merke, wie sich die Felder zunehmend berĂŒhren, verbinden, wie ich also dem Bild mit den einzelnen, durch die Luft wirbelnden BĂ€llen ein zweites zur Seite stellen kann: das des Teppich-Webens mit verschiedenen Materialien und Farben. Diese Vorstellung der Arbeit am grösseren Ganzen setzt in Beziehung. Auf einer inhaltlichen Ebene – denn zeitlich, also in der Agenda, ist es mir wichtig, auch zu trennen, also zu fixieren, wann ich an was arbeite. Wenn zeitgleich zu viele Tabs offen sind, im wortwörtlichen und ĂŒbertragenen Sinne, wird’s schwierig, sich nicht zu verzetteln. Das «work in progress limit» aus dem Kanban macht viel Sinn.

Einige deiner Loopings Projekte 2023 stehen ja schon – gibt es davon eines, was dir schon jetzt besonders am Herzen liegt?

Ich verstehe mich mit meinen 40% mitunter als Joker fĂŒrs Team bzw. im «hands-on»-Modus. Das entspricht mir auch sehr, da ich liebend gern dabei bin, wenn Neues entsteht und ZustĂ€ndigkeiten zwar verteilt, aber die Schubladen nicht hochheilig und einzeln abgeschlossen sind. Ich schĂ€tze es, hier und dort anpacken und mitdenken zu können. Was wir bereits fixiert haben, ist, dass ich im Herbst neue Kandidat:innen und Unternehmen beim «Praktikum Arbeitswelt 4.0»-Abenteuer begleiten darf und dafĂŒr auch bewusst auf Start-ups im Nachhaltigkeitsbereich zugehe. Darauf freue ich mich sehr – weil ich ĂŒberzeugt bin, dass gerade auch auf der Ebene von Nachhaltigkeit ein Austausch zwischen den Generationen von grossem Wert ist und alle gewinnen können, wenn wir uns zuhören, voneinander lernen, am gleichen Strick ziehen. Es gilt, den Ernst der Lage zu erkennen und zu handeln. Zusammen.

Foto: Urs Weisskopf

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