Arbeitsmarkt

Wie informiert man sich über den Arbeitsmarkt und die Zukunftsaussichten in einem Beruf? Loopings hat den Praxis-Check gemacht.

Wer sich sorgfältig um seine Karriere kümmern will – sei dies ganz am Anfang oder im späteren Verlauf der beruflichen Laufbahn –, kommt nicht darum herum, sich über den Arbeitsmarkt zu informieren. Denn was nützt es, den Traumberuf zu finden, wenn keine offenen Stellen in diesem Bereich vorhanden sind?

Loopings hat sich beispielhaft über den Beruf «Kaufmännische:r Angestellte:r» informiert und eine Blaupause erstellt, die auch auf andere Berufe angewandt werden kann.

Bei der Recherche ist Kreativität gefragt

Wir starten unsere Suche auf arbeitsmarktinfo.ch, einer Plattform, die unter anderem vom Bund und von den Kantonen getragen wird: Hier gibt’s zu 900 Berufen und Berufsfeldern «aktuelle Arbeitsinformationen gebündelt, leicht verständlich und ansprechend aufbereitet», wie auf der Homepage zu lesen ist. Mit der Eingabe von «KV» oder «Kaufmännische Angestellte» ins Suchfeld kommen wir aber leider nicht weiter, erst mit dem Stichwort «Büro» finden wir zu den gewünschten Informationen. Bei der ersten Recherche ist also direkt etwas Kreativität gefragt.

Im Steckbrief für das Berufsfeld «Allgemeine Bürokräfte» finden wir die Anzahl der Beschäftigten, die Arbeitslosenquote, die Teilzeitquote, den durchschnittlichen Jahreslohn, die Anzahl offener Stellen sowie die durchschnittliche Zufriedenheit im Job und die Häufigkeit von Fortbildungen. Auch die Entwicklung des Berufsfeldes über einen längeren Zeitraum kann man hier ablesen: Wir erfahren etwa, dass die Zahl der Arbeitsplätze zwischen 2010 und 2020 um 8 Prozent gesunken ist, während sie im gleichen Zeitraum über alle Berufe verteilt um 15 Prozent zugelegt haben.

Aussagen über die kurzfristigere Entwicklung des Jobangebots macht beispielsweise der «Adecco Group Swiss Job Market Index», der vierteljährlich von der Universität Zürich erhoben wird. Im vierten Quartal 2021 erreichte der Bereich «Büro und Verwaltung» im Vergleich zum vorhergehenden Quartal ein Plus von 21 Prozent an offenen Stellen – was offenbar in Diskrepanz zum Verlust von Arbeitsplätzen im vergangenen Jahrzehnt steht. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass Stellen, die währen der Pandemie kurzfristig weggefallen sind, nun wieder besetzt werden. Für Personen, die bereits das KV in der Tasche haben und parat sind, kann so eine Situation eine Chance sein.

Die Zukunftsaussichten

Unsere nächste Station ist job-trends.ch: Hier finden wir nebst der Entwicklung der offenen Stellen während des letzten Jahres auch Angaben, die sich auf die Zukunft beziehen. Wir erfahren beispielsweise, wie wahrscheinlich es ist, dass Roboter und künstliche Intelligenz auf den Beruf des Kaufmännischen Angestellten Einfluss nehmen – sei es, dass der Beruf verschwindet oder in dem Feld ganz neue Berufe entstehen könnten. Für «Allgemeine Bürokräfte» wird diese Digitalisierungswahrscheinlichkeit mit 81 bis 99 Prozent als sehr hoch beziffert.

Weitere Angaben auf job-trends.ch beziehen sich auf das Anforderungsniveau, die Einfachheit, mit der eine Stelle ins Ausland verlagert werden kann («Offshorability») sowie die Routineintensität und damit Automatisierbarkeit des Berufs.

Viele Informationen – wenig Durchblick?

All diese Informationen sind ziemlich abstrakt, allgemein und nicht einfach zu interpretieren. Daher empfiehlt es sich, sich auch direkt beim Berufsverband zu informieren. Wer die Adresse nicht kennt, findet sie auf berufsberatung.ch/berufssuche: Man sucht nach dem entsprechenden Beruf und navigiert dort zum Abschnitt «Weitere Informationen».

In unserem Fall ist der Kaufmännische Verband die richtige Anlaufstelle. Er hat beispielsweise im Jahr 2016 je eine Studie zum Offshoring und zur Digitalisierung durchgeführt. Die erste Studie ergab, dass in den kommenden Jahren 30'000 bis 100'000 kaufmännische Stellen ins Ausland verlagert werden könnten. Davon seien besonders die Bereiche Rechnungswesen, IT, Kundenbetreuung, Human Resources, Business Management und Procurement betroffen.

Die zweite Studie kam zum Schluss, dass sich die kaufmännischen Berufe zu Querschnittsfunktionen entwickeln, bei denen koordinierende Tätigkeiten immer wichtiger werden. Routineaufgaben würden zunehmend automatisiert. Neu sei, dass Menschen gefragt seien, die über hohe Sozialkompetenzen verfügen, mit neuen Technologien umgehen können und sich in einem Fachgebiet spezialisiert haben.

Schliesslich erwarten die Autorinnen und Autoren, dass die Arbeitsverhältnisse dynamischer werden: Arbeitnehmende würden vermehrt zu sogenannten Portfolioworkern, die projektbasiert arbeiten, statt ausschliesslich fest angestellt zu sein. Man kann sich also mit Blick in die Zukunft ohnehin fragen: Was ist mein Portfolio? Was würde ich auf einer Website, die meinen Namen trägt, unter «Angebot» aufführen können?

Persönliche Beratung

Viele Berufsverbände bieten auch eine mehr oder weniger formalisierte Beratung für Einzelpersonen an. Beim Kaufmännischen Verband kann man sich beispielsweise für eine Laufbahn- und Karriereberatung anmelden, kleinere Verbände erteilen Auskünfte oder vermitteln an Berufsleute, die über ihre Erfahrungen sprechen. Gerade, wenn es darum geht, wie sich der Berufsalltag tatsächlich gestaltet, sind persönliche Gespräche Gold wert. Auch im Rahmen der kostenlosen Standortbestimmung Viamia von Bund und Kantonen werden die Arbeitsmarktaussichten thematisiert.

Abschliessend ist zu bedenken, dass Daten und Studien keine Aussagen zu den Berufschancen von Einzelpersonen machen. Diese können auch in «schwierigen» Branchen Erfolg haben – mit guten Qualifikationen, überdurchschnittlich viel Motivation, einem passenden Netzwerk und etwas Glück.