Arbeitsmarkt

Wie informiert man sich ĂŒber den Arbeitsmarkt und die Zukunftsaussichten in einem Beruf? Loopings hat den Praxis-Check gemacht.

Wer sich sorgfĂ€ltig um seine Karriere kĂŒmmern will – sei dies ganz am Anfang oder im spĂ€teren Verlauf der beruflichen Laufbahn –, kommt nicht darum herum, sich ĂŒber den Arbeitsmarkt zu informieren. Denn was nĂŒtzt es, den Traumberuf zu finden, wenn keine offenen Stellen in diesem Bereich vorhanden sind?

Loopings hat sich beispielhaft ĂŒber den Beruf «KaufmĂ€nnische:r Angestellte:r» informiert und eine Blaupause erstellt, die auch auf andere Berufe angewandt werden kann.

Bei der Recherche ist KreativitÀt gefragt

Wir starten unsere Suche auf laufbahn.berufsberatung.ch, einer Plattform, die unter anderem vom Bund und von den Kantonen getragen wird: Hier gibt’s zu 900 Berufen und Berufsfeldern «aktuelle Arbeitsinformationen gebĂŒndelt, leicht verstĂ€ndlich und ansprechend aufbereitet», wie auf der Homepage zu lesen ist. Wir tippen «Kaufm» ins Suchfeld ein und schon erscheinen passende SuchvorschlĂ€ge – unter anderem der gesuchte Berufszweig «KaufmĂ€nnischer Angestellter / KaufmĂ€nnische Angestellte».

Im Steckbrief finden wir Infos zur BeschĂ€ftigungs- und Arbeitslosenquote, zu den offenen Stellen, inwiefern man in diesem Beruf von Wetter und Konjunktur abhĂ€ngig ist, welchen Abschluss die meisten haben, und zum Durchschnittslohn. Praktisch fĂŒr Stellensuchende: eine filterbare Liste mit neuen Jobs im KV-Bereich. Auch sehr spannend sind die Prognosen zur zukĂŒnftigen Entwicklung bezĂŒglich Digitalisierung, Internationalisierung und RoutineintensitĂ€t. Hier zeigt uns der Barometer, dass der Berufszweig «KaufmĂ€nnischer Angestellter / KaufmĂ€nnische Angestellte» zu fast 100% von Robotern oder kĂŒnstlicher Intelligenz beeinflusst wird und ĂŒber 60% der Aufgaben Routinearbeiten sind. Digitalisierung und Automatisierung vieler Aufgabenbereiche sind also schon im Gange oder werden in Zukunft erfolgen, was das Berufsbild stark verĂ€ndern wird und den Bedarf an FachkrĂ€ften in diesem Bereich voraussichtlich sinken lĂ€sst. 

Aussagen ĂŒber die kurzfristige Entwicklung des Jobangebots macht beispielsweise der «Adecco Group Swiss Job Market Index», der vierteljĂ€hrlich von der UniversitĂ€t ZĂŒrich erhoben wird. Im vierten Quartal 2021 erreichte der Bereich «BĂŒro und Verwaltung» im Vergleich zum vorhergehenden Quartal ein Plus von 21 Prozent an offenen Stellen – was offenbar in Diskrepanz zum Verlust von ArbeitsplĂ€tzen im vergangenen Jahrzehnt steht. Eine mögliche ErklĂ€rung könnte sein, dass Stellen, die wĂ€hrend der Pandemie kurzfristig weggefallen sind, nun wieder besetzt werden. FĂŒr Personen, die bereits das KV in der Tasche haben und in den Startlöchern stehen, kann so eine Situation eine Chance sein.

Die Zukunftsaussichten

Unsere nĂ€chste Station ist job-trends.ch: Hier finden wir nebst der Entwicklung der offenen Stellen wĂ€hrend des letzten Jahres auch Angaben, die sich auf die Zukunft beziehen. Wir erfahren beispielsweise, wie wahrscheinlich es ist, dass Roboter und kĂŒnstliche Intelligenz auf den Beruf des KaufmĂ€nnischen Angestellten Einfluss nehmen – sei es, dass der Beruf verschwindet oder in dem Feld ganz neue Berufe entstehen könnten. FĂŒr «Allgemeine BĂŒrokrĂ€fte» wird diese Digitalisierungswahrscheinlichkeit mit 81 bis 99 Prozent als sehr hoch beziffert.

Weitere Angaben auf job-trends.ch beziehen sich auf das Anforderungsniveau, die Einfachheit, mit der eine Stelle ins Ausland verlagert werden kann («Offshorability») sowie die RoutineintensitÀt und damit Automatisierbarkeit des Berufs.

Viele Informationen – wenig Durchblick?

All diese Informationen sind ziemlich abstrakt, allgemein und nicht einfach zu interpretieren. Daher empfiehlt es sich, sich auch direkt beim Berufsverband zu informieren. Wer die Adresse nicht kennt, findet sie auf berufsberatung.ch: Man sucht nach dem entsprechenden Beruf und navigiert dort zum Abschnitt «Weitere Informationen».

In unserem Fall ist der KaufmĂ€nnische Verband die richtige Anlaufstelle. Er hat beispielsweise im Jahr 2016 je eine Studie zum Offshoring und zur Digitalisierung durchgefĂŒhrt. Die erste Studie ergab, dass in den kommenden Jahren 30'000 bis 100'000 kaufmĂ€nnische Stellen ins Ausland verlagert werden könnten. Davon seien besonders die Bereiche Rechnungswesen, IT, Kundenbetreuung, Human Resources, Business Management und Procurement betroffen.

Die zweite Studie kam zum Schluss, dass sich die kaufmĂ€nnischen Berufe zu Querschnittsfunktionen entwickeln, bei denen koordinierende TĂ€tigkeiten immer wichtiger werden. Routineaufgaben wĂŒrden zunehmend automatisiert. Neu sei, dass Menschen gefragt seien, die ĂŒber hohe Sozialkompetenzen verfĂŒgen, mit neuen Technologien umgehen können und sich in einem Fachgebiet spezialisiert haben.

Schliesslich erwarten die Autorinnen und Autoren, dass die ArbeitsverhĂ€ltnisse dynamischer werden: Arbeitnehmende wĂŒrden vermehrt zu sogenannten Portfolioworkern, die projektbasiert arbeiten, statt ausschliesslich fest angestellt zu sein. Man kann sich also mit Blick in die Zukunft ohnehin fragen: Was ist mein Portfolio? Was wĂŒrde ich auf einer Website, die meinen Namen trĂ€gt, unter «Angebot» auffĂŒhren können?

Persönliche Beratung

Viele BerufsverbĂ€nde bieten auch eine mehr oder weniger formalisierte Beratung fĂŒr Einzelpersonen an. Beim KaufmĂ€nnischen Verband kann man sich beispielsweise fĂŒr eine Laufbahn- und Karriereberatung anmelden, kleinere VerbĂ€nde erteilen AuskĂŒnfte oder vermitteln an Berufsleute, die ĂŒber ihre Erfahrungen sprechen. Gerade, wenn es darum geht, wie sich der Berufsalltag tatsĂ€chlich gestaltet, sind persönliche GesprĂ€che Gold wert. Auch im Rahmen der kostenlosen Standortbestimmung Viamia von Bund und Kantonen werden die Arbeitsmarktaussichten thematisiert.

Abschliessend ist zu bedenken, dass Daten und Studien keine Aussagen zu den Berufschancen von Einzelpersonen machen. Diese können auch in «schwierigen» Branchen Erfolg haben – mit guten Qualifikationen, ĂŒberdurchschnittlich viel Motivation, einem passenden Netzwerk und etwas GlĂŒck.